Gastbeitrag

Denkt die bessere AI wie ein Jurist?

2. Oktober 2026
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Eine Umfrage (u.a. von LexisNexis, der Notariatskammer und dem Verein der Unternehmensjuristen) zeigt, dass nur noch rund 1 % der österreichischen Jurist:innen keine AI nutzen. Artificial Intelligence hat sich also im Arbeitsalltag der Rechtsbranche etabliert. Aber knapp 69 % der Befragten korrigieren AI-Outputs häufig oder sehr häufig: Nachprompten und fehlende Infos nachfragen, konkretisieren, präzisieren. Ist das wirklich produktiv?

Susanne Mortimore, CEO von LexisNexis Österreich, und Director Product Andreas Geyrecker über eine neue AI-Technologie, die alles ändert.

Frau Mortimore, warum sollten Rechts- und Steuerprofis bei Agentic AI aufhorchen?

Susanne Mortimore: Das Umfrageergebnis zum Nachprompten zeigt, dass Rechtsprofis hier bloß ihre Verantwortung wahrnehmen und professionell arbeiten. Eine brauchbare Einzelantwort ist noch kein fertiges Arbeitsergebnis. Die hohen Anforderungen der Rechts- und Steuerbranche bedingen Kontrollschleifen und eine umfassende Problembetrachtung.

Ein AI-Assistent kann fundamental mehr Arbeit abnehmen, wenn er ebenso diesen sorgfältigen Arbeitsprozess übernehmen und wie ein menschlicher Experte denken kann: Teilfragen erkennen, unterschiedliche Quellen durchsuchen, Zwischenergebnisse bewerten und gegebenenfalls zusätzliche Fragen stellen, bis eine fundierte Antwort vorliegt. Mit Agentic AI haben wir genau das erreicht.

Herr Geyrecker, das klingt nach einer großen Ansage.

Andreas Geyrecker: Aus unserer Plattform Lexis+ AI wird Lexis+ mit Protégé. Das ist viel mehr als bloß ein weiterer Entwicklungsschritt. Hinter unserem AI-Assistenten Protégé steht nun eine komplett neue Agentic AI-Technologie: Ein Technologiesprung, der eine grundlegend verbesserte Antwort-Qualität und Performance bringt. Protégé erfasst das Ziel, zerlegt die Aufgabe in Teilfragen und entwickelt unterschiedliche Rechercheansätze. Es durchsucht Rechtsprechung, Gesetzgebung und LexisNexis Fachliteratur. Dann prüft es Zwischenergebnisse auf Relevanz, Aktualität, Quellenbezug und juristischen Kontext. Reichen sie nicht aus, passt es den Rechercheweg an. Erst danach formuliert es eine zitierfähige Antwort. Die Arbeitsweise orientiert sich damit am methodischen Vorgehen eines Fachexperten.

Wenn die AI selbst prüft: Wozu braucht es dann noch Kontrolle?

Andreas Geyrecker: Die AI-interne Bewertung ersetzt nicht das eigene Urteil: Die AI ist Ihr Werkzeug und Sie treffen die fachliche und strategische Entscheidung. Eine AI-Antwort muss nicht nur gut sein, sie muss sich überprüfen lassen, damit man fundiert mit ihr weiterarbeiten kann. Für mich gehört diese Nachvollziehbarkeit zum Kern einer hilfreichen Assistenz. Wir haben das extra so eingerichtet, dass Sie innerhalb der AI-Antwort pro Aussage direkt darunter die ausschlaggebende Textpassage der Quelle ausklappen können.

Stichwort Vertraulichkeit und Schutz?

Susanne Mortimore: Protégé ist DSGVO-konform und wird in Europa gehostet. Kundendaten und Dokumente werden nicht zum Training der zugrunde liegenden Modelle verwendet. Gerade für die rechts- und steuerberatenden Berufe ist dieser Schutz eine Voraussetzung. Wir möchten nicht in ein AI-Modell „eingesperrt“ sein und für die Zukunft unabhängig und flexibel bleiben, daher setzen wir gleichzeitig auf alle großen AI-Modelle. Unsere Kund:innen sind damit souverän und können bei der Nutzung das Modell selbst wählen.

Welche Rolle spielen Erfahrungen aus dem Kanzleialltag bei der Entwicklung?

Susanne Mortimore: Mehr als 1.500 Rückmeldungen und Anforderungen der österreichischen Rechts- und Steuerbranche sind in die Entwicklung von Protégé eingeflossen. Ich finde diese Einbindung der Branche besonders wertvoll: Was technisch möglich ist, muss sich im Arbeitsalltag bewähren.

Was ist der nächste Schritt?

Andreas Geyrecker: Mit Agentic AI haben wir die Basis geschaffen, mehrere Arbeitsschritte zu durchgängigen Automatisierungen zu verbinden, etwa bei einer vorkonfigurierten, voroptimierten AGB-Prüfung. Im neuen Datenraum verbinden Sie Protégé mit Ihrem institutionellen Wissen: z.B. können Sie eigene Vertragsmuster dauerhaft hinterlegen. So können Sie mit AI auch Ihren Erfahrungsschatz als Arbeitsgrundlage nutzen.

Wann werden wir diese nächsten Entwicklungen sehen?

Susanne Mortimore: Das ist keine ferne Zukunftsmusik, bereits bei der LexCon am 20.10. werden wir weitere Neuerungen live herzeigen! AI ist ein Marathon, und dank österreichischer Expertise und der globalen Innovationskraft von LexisNexis zählen wir zur Spitze und wir freuen uns darauf die Neuerungen zu präsentieren!

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